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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus, Hauptgebäude
Souterrain, Raum 0.153 
C. Nols: 069 798 33343

C. Sonntag: 069 798 33366

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Leandro Luis Bedin Fontana
(Stipendiat von April 2012 bis Oktober 2015)

Goethe-Universität Frankfurt
GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

Promotionsprojekt:

Freed by Love: The Orthopraxis of Christians in a Context of Interreligious Encounters


Die Vielfalt der Religionen und die Notwendigkeit eines gelingenden interreligiösen Dialogs sowie eines respektvollen Umgangs mit Menschen anderer Glaubensüberzeugungen gewannen in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung, nicht nur in der akademischen Debatte, sondern auch in der Öffentlichkeit. Die Ursache eines solchen Sachverhalts liegt aber vermutlich nicht daran, dass heute andere Religionen mehr wahrgenommen werden als früher oder dass ein Kampf der Kulturen bzw. der Religionen befürchtet wird, obgleich diese These gerne vertreten wird. Vielmehr lässt sich dieses Phänomen durch einen von der geschichtlichen Entfaltung des Denkens bedingten Paradigmenwechsel erörtern, der die Religionen herausfordert. Entzauberung, Entmythologisierung, nachmetaphysisches Zeitalter, Säkularisierung, Freiheit, Autonomie und Gleichheit sind einige der geläufigen Ausdrücke, die diesen langen, komplexen und folgenreichen Prozess kennzeichnen.

Aufgrund ihrer Wissenschaftlichkeit und ihres rationalen Diskurses ist es deswegen die Aufgabe der Theologie, zunächst zu überprüfen, ob sich die Voraussetzungen und Ansprüche der Moderne mit der jesuanischen Botschaft vereinbaren lassen. Noch entscheidender aber ist die Frage, ob die Theologie in der Lage ist, die frohe Botschaft Jesu der modernen, aufgeklärten, ja säkularisierten Gesellschaft zu vermitteln bzw. in eine rationale, allen zugängliche Sprache zu übersetzen vermag. Im Hinblick auf den interreligiösen Dialog kommt der Theologie darüber hinaus die Aufgabe zu, zu überprüfen, ob und, wenn ja, in welcher Art das christliche Heilsangebot angesichts der Vielfalt von Heilsangeboten seine Berechtigung, seinen Wahrheits- und seinen Universalitätsanspruch weiterhin aufrechterhalten kann. Auf einen solchen Weg möchte sich dieses Forschungsprojekt einlassen.

Anhand der hermeneutischen Methode wird in der Recherche darauf abgezielt, der Frage nachzugehen, welche relevanten Aussagen, Praxen oder Bilder im Leben und in der Botschaft Jesu gefunden werden können, die die Diskussion des interreligiösen Dialogs zeitgemäß neu zu formulieren bzw. anzuregen vermögen. Berechtigt ist dieses Ziel aus dem entscheidenden Grund, dass die Texte des Neuen Testaments zum normativen Kern des Christentums gehören und gestatten insofern einen, trotz aller Bedingtheiten, zuverlässigen Rückgriff auf Jesus Christus, dem Grund und der Voraussetzung jeder christlichen Theologie. Denn im Unterschied zur Religionswissenschaft oder -philosophie speist sich die Theologie aus einer konkreten, partikularen Glaubenstradition und trägt Verantwortung für die Vermittlung ihrer Inhalte in der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Glaubensüberzeugungen.

Im Sinne der „anthropologischen Wende“, die auch in zahlreichen wesentlichen Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu spüren ist, wird die Verantwortung für den Dialog nicht nur den Religionen als einheitlichen Größen zugewiesen, sondern zum großen Teil auch jedem freien, autonomen Menschen, der sich angst- und gewaltfrei auf eine solche Begegnung einlässt und die Freiheit, Würde sowie die Lebensentscheidungen jedes Andersgläubigen anerkennt, bejaht und respektiert. Da nun die eben genannten Grundeinstellungen nicht ausschließlich als Errungenschaften oder Folgen der Moderne zu verstehen sind, sondern auch als unverkennbare Merkmale der Person Jesu, scheint es angebracht, die vorliegende Fragestellung anhand einer Theologie der Liebe anzusetzen, die aus Jesus Christus und seiner frohen Botschaft des Reiches Gottes hervorgeht. Die radikale Folge einer solchen Theologie wäre der Verzicht auf jede Art von Zwang, Gewalt, Verachtung und Ausschluss sowie die Suche nach Begegnungen, Austausch, Beziehungen und Formen der Geschwisterlichkeit nicht nur innerhalb der eigenen Tradition, Kirche, Nation usw., sondern in der gegenwärtigen pluralen Welt.