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Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

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C. Nols: 069 798 33343

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Corinna Sonntag
(Stipendiatin von April 2012 bis März 2015)

Goethe-Universität Frankfurt
GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt

Promotionsprojekt: 

Melanchthons Schola Domestica – Theologievermittlung und konfessionelle Diskurskultur in der frühen Wittenberger Reformation sowie in ihren Auswirkungen auf die Bildungslandschaften des Alten Reiches und der benachbarten europäischen Territorien

Philipp Melanchthon ist europaweit bekannt und von kaum zu überschätzender Bedeutung. Sein Einfluss auf die abendländische Christenheit und die von ihr geprägt Kultur in Europa ist von der Forschung häufig thematisiert, aber erst in Teilen untersucht worden. So sind von ihnen zahlreiche (Lehr-)Bücher erhalten, die vielfach übersetzt und nachgedruckt von den britischen Inseln über Skandinavien und Osteuropa bis nach Frankreich und in die Niederlande Verbreitung fanden. Hinzu kommen knapp 10.000 Briefe, ebenfalls in nahezu alle Regionen der damals gebildeten Welt. Schließlich belegen dies auch Hunderte von Schülern, die zu ihm aus den entlegensten Gebieten Europas nach Wittenberg reisten, um dort bei dem bekannten Philologen und Theologen zu studieren.

Der Ansatz meiner Arbeit wählt eine in der Forschung bislang vernachlässigte Herangehensweise. Ausgehend von der Tatsache, dass Melanchthons Schüler als junge Studenten kamen und als gebildete Persönlichkeiten gingen, sollen die Schüler aus Melanchthons „Schola Domestica“ erfasst und ihr Einfluss auf ihre späteren Wirkungsorte erforscht werden. Es wird gefragt nach den reformatorischen Elementen, die durch die Ausbildung bei Melanchthon von ihnen in andere Gebiete des Reiches bzw. darüber hinaus getragen wurden. Zunächst sind die Individualbiographien als exemplarische Bildungsbiographien zu erfassen, sodann das weitere Wirken der Schüler, insbesondere wie es sich in Druckschriften manifestiert. Schließlich ist nach ihren Wirkungsorten und Wirkungsweisen sowie der bleibenden Verbindung untereinander sowie nach Wittenberg zu fragen. Auch ist zu thematisieren, inwieweit ihr Studium in Wittenberg zu spezifischen Transformationen der reformatorischen Lehre unter den Bedingungen ihrer neuen Wirkungsorte geführt hat.

Um Melanchthons Einflussnahme greifbar zu machen, muss man sich das vorliegende und zum Großteil erschlossene Quellenmaterial im Hinblick auf ein mögliches Netzwerk, ausgehend von der Gruppe seiner Privatschüler, genauer ansehen. Der inzwischen bis ins Jahr 1543 edierte Briefwechsel Melanchthons dient für diese Untersuchung als Ausgangspunkt und wichtigste Quelle.

Bislang konnte eine Gruppe von Privatschülern ermittelt werden. Daher lässt sich beispielsweise aus Frankfurt am Main Claus Bromm als einer von Melanchthons Hausschülern ausmachen. Dieser kehrte nach dem Studium in Wittenberg nach Frankfurt zurück und wurde Jüngerer Bürgermeister. Es lässt sich sogar belegen, dass Calvin eine Zeit lang sein Gast war. Wie groß oder in welcher Form der Einfluss Bromms auf sein Umfeld war, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht feststellen. Weitere Personen aus Melanchthons Schola Domestica wirkten nach ihrem Studium in Bereich der Theologie weiter. So Jakob Camenicenus, der als Arzt und Pfarrer in Prag und Mähren tätig war oder Franciscus Dryander, auch bekannt unter dem Namen Francisco de Enzinas, der das NT ins Spanische übersetzte.

Über den Briefwechsel Melanchthons hinaus sind weitere Quellen, wie autobiographische Schriften, Briefwechsel, Gelegenheitsschriften, theologische oder pädagogische Traktate, Lehrbücher oder andere handschriftliche oder gedruckte Zeugnisse zu erschließen und nach Transformationen der reformatorischen Lehre zu untersuchen, um dadurch die Erforschung der Wittenberger Lehre und der durch sie geformten Konfessionskultur entscheidende Einzelheiten zur territorialen Konfessionalisierung zu erschließen.

In einem weiteren Schritt sind sodann das Netzwerk und die es prägende theologische bzw. späthumanistische Diskurskultur zu spezifizieren.