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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus, Hauptgebäude
Souterrain, Raum 0.153 
C. Nols: 069 798 33343

C. Sonntag: 069 798 33366

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Fatma Aydınlı
(Stipendiatin)

Goethe-Universität
Fachbereich 09 (Sprach- und Kulturwissenschaften)
Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam
Gräfstr. 78
60486 Frankfurt am Main

Promotionsprojekt:

Der Mensch als Schöpfer seiner selbst? Gentechnik und Embryonenforschung als Herausforderung der islamischen Theologie zwischen Tradition und Moderne im Anspruch der Zukunft.

Das Dissertationsvorhaben soll einen zentralen Forschungsgegenstand für das moderne muslimische Denken in den Mittelpunkt rücken. Hierbei soll das Vorhaben für die intellektuelle Kontinuität des geistigen Erbes beitragen, indem es ein „reflexives Verhältnis“ seiner „Glaubenstradition“ leistet, um Lösungen für die Moderne im Anspruch der Zukunft zu finden.

Neue Handlungsmöglichkeiten, die bedingt durch die Biotechnologien entstanden sind, formen die Lebenshaltung des Menschen fundamental. In Anbetracht dieser Entwicklungen steht die islamische Theologie in ihrer zeitgemäßen Ausrichtung sowohl vor der Herausforderung einer neuen gesellschaftlichen als auch einer wissenschaftlich-inter- sowie -transdisziplinären Verantwortung.

Auch durch die zunehmende gesellschaftliche Bejahung der Biotechnologien stellt sich in der islamischen Welt die Frage, in welcher Weise die islamische Urteilsbildung in diesem Diskurs unter Wahrung ihrer „eigenen Tradition“ Problemlösungen bietet. Beispielsweise ist das islamische Recht nicht mehr im Gegensatz zum historischen auf einzelne Problemfelder direkt übertragbar, sondern es vollstreckt seinen prospektiven Impetus im Schnittfeld von theologischen Grundannahmen, Wissenschaft, Politik, öffentlicher Moral und Kultur der Moderne. Jedoch erwachen letztlich wesentliche ethische Probleme schon mit der Frage nach dem Lebensbeginn und dem Versuch, aus naturwissenschaftlich gesichertem Wissen moralisch relevante Handlungsgebote oder -verbote abzuleiten.

Die Untersuchung wird dafür plädieren, eine vorsichtige bzw. risikokalkulierende Haltung gegenüber dem Fortschritt in der Biotechnologie einzunehmen, welche eine frühzeitige Abschätzung der ethischen, sozialen und rechtlichen Implikationen erfordert. Zudem wird versucht, durch kritisches Hinterfragen von Grundannahmen die „eigene Tradition“ systematisch und gründlich auf Fragestellungen und Probleme in Anbetracht der Moderne und im Anspruch der Zukunft zu erforschen. Das Dissertationsvorhaben verfolgt das Ziel, die fruchtbar ausgelegten bzw. reflektierten Vorstellungen der islamischen Theologie von Natur und Mensch durch Extension auf Gegenwart und Zukunft im wissenschaftlichen Rahmen zu reflektieren. Die Mehrheit der rechtlichen Urteilsbildungen in der islamischen Welt zeigen, dass das islamische Recht durch ein herkömmliches Normensystem nicht mehr abgedeckt werden kann, da die radikale Entwicklung der Biotechniken ständig zu Neuentwicklungen führt, und das islamische Recht damit durch die „Grenzverschiebungen und -überschreitungen“ in der Bioethik herausgefordert wird. Die Problematik scheint jedoch auch nicht durch die alleinige Infragestellung der neueren Techniken dem entsprechenden islamischen Zeitgeist angepassten Urteilsbildungen gelöst zu sein. Die Sachlage reicht von grundlegenden Vorstellungen wie Menschen-, Personen- und Naturverständnis bis hin zum Verständnis von Leben, Tod, Ewigkeit und Endlichkeit in einer am Perfektionismus orientierten Gegenwart, die selbst einer Endlichkeit unterworfen ist.

Will die islamische Theologie bezüglich ihrer Ethik angesichts der neueren Anforderungen der Biotechniken nicht zurückfallen, so muss auch damit eine „Neupositionierung“ eintreten. Dies ist jedoch nur möglich, wenn das islamische Recht und die islamische Ethik sich auch der theoretischen Diskussion hingeben und gleichfalls den Bioethikdiskurs mitgestalten. Aus diesem Interesse geleitet beabsichtigt das Vorhaben, dem neuzeitspezifischen Anspruch gerecht zu werden.