Home
deutsch english

KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordination:

Dr. Eva Bucher

Corinna Sonntag


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

PA-Gebäude, Hauspostfach 25

Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IKB-Gebäude
Eschersheimer Landstraße 121
60322 Frankfurt am Main
1. OG, Raum 1560 

 

Dr. E. Bucher: 069 798 33388

C. Sonntag: 069 798 33366

Sprechzeiten:

Di 11-13 Uhr

Do 11-13 Uhr

Facebook-Seite des GRK






Institut européen en sciences des religions (IESR)

Prof. Saint-Martin und Dr. Renaud Rochette

Nach unserer Mittagspause trafen wir um 14:30 Uhr im Maison de sciences de l’Homme Herrn Dr. Renaud Rochette, Mitarbeiter am Institut européen en sciences des religions (IESR), einem 2002 gegründeten Ausbildungs- und Grundlagenforschungszentrum der École Pratique des Hautes Études (EPHE) mit dem Ziel, Expertise und Beratung zur Geschichte und Aktualität des Laizitätsgrundsatzes und damit zusammenhängender religiöser Themen anzubieten. Frau Prof. Isabelle Saint-Martin, die kürzlich abgelöste, ehemalige Direktorin des Instituts (2011-2018), musste sich leider kurzfristig entschuldigen. Nähere Informationen zum Institut und seiner Agenda sind unter www.iesr.ephe.sorbonne.fr zu finden.

Gegenstand unseres Treffens waren die besonderen Bedingungen, denen das Unterrichten religiöser Themen an staatlichen Schulen in Frankreich unterworfen ist, an denen kein Religionsunterricht als gesondertes Schulfach oder – so die vorherrschende Auffassung Herr Rochette zufolge – als explizites Thema innerhalb anderer Fächer angeboten werden darf. Wie uns Herr Rochette in seiner einführenden Geschichts- und Problemskizze erläuterte, beruht nach Auffassung des Instituts die zuletzt genannte Annahme auf einem verbreiteten Missverständnis des Laizitätsgedankens, das in den öffentlichen Debatten der letzten Jahre, insbesondere nach den Anschlägen in Paris 2015, zunehmend Raum für sich beanspruchen konnte. Im Kern handele es sich dabei um die Annahme, dass dem Grundsatz der Laizität das Verhältnis der Gesellschaft zur Religion bzw. zu religiösen Gemeinschaften zu regeln bestimmt sei (und zwar in einer negativen, Religion als öffentliche Angelegenheit in jeder Hinsicht zurückweisenden Hinsicht), anstatt, wie aus dem Kontext und dem Wortlaut der Gesetzgebung von 1905 hervorgehe, (lediglich) das Verhältnis des Staates und seiner Repräsentant_innen zur Religion bzw. zu religiösen Gemeinschaften. Einer der zentralen Schwerpunkte der Arbeit des Instituts ist vor diesem Hintergrund die Aus- und Weiterbildung staatlicher Lehrkräfte, um legitime Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, unter Wahrung eines liberal aufgefassten Laizitätsgrundsatzes dennoch über die Traditionen und Auffassungen der verschiedenen religiösen Gemeinschaften im Unterricht sprechen zu können und somit das Wissen und die Akzeptanz religiöser Gemeinschaften und ihrer besonderen Traditionen zu fördern. Denn die Verbreitung einer radikalisierten Auffassung der Laizität, so Herr Rochette, führe zu einer zunehmenden Unkenntnis über fremde und nicht zuletzt auch die eigene Religion in der Bevölkerung und lasse die Gefahr eines regelrechten religiösen Analphabetismus wachsen, der die Angst vor Religion überhaupt, insbesondere jedoch vor dem politisch stark instrumentalisierten Islam, bedenklich schüre.

Die Diskussion, die sich auf dem Boden dieser Geschichts- und Problemskizze entspann, war sehr lebhaft und betraf vor allem Fragen der Möglichkeit, wie vor diesem Hintergrund überhaupt eine tatsächlich positive Einstellung geweckt werden könne, Fragen nach den Unterschieden des deutschen und des französischen Bildungssystems, insbesondere nach ihren jeweiligen Grenzen und Potenzialen, und Fragen nach der praktischen Umsetzung des Institutsprogramms im Speziellen. Herr Rochette erwies sich als ein ausgezeichneter diskursiver Seiltänzer, der seine doppelte Aufgabe – auf der einen Seite die Schwierigkeiten des französischen Systems aufzuzeigen, für die das IESR produktive Umgangsweisen anbietet, und auf der anderen Seite das französische System dennoch gegen unsere Rückfragen und Fragezeichen als Ganzes zu plausibilisieren und zu verteidigen – hervorragend auszufüllen verstand und damit eine Diskussionsbasis schuf, die für alle Beteiligten sehr bereichernd war.