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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordination:

Dr. Eva Bucher

Corinna Sonntag


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

PA-Gebäude, Hauspostfach 25

Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IKB-Gebäude
Eschersheimer Landstraße 121
60322 Frankfurt am Main
1. OG, Raum 1560 

 

Dr. E. Bucher: 069 798 33388

C. Sonntag: 069 798 33366

Sprechzeiten:

Di 11-13 Uhr

Do 11-13 Uhr

Facebook-Seite des GRK






Julian Marx
(Kollegiat)

Goethe-Universität
GRK 1728 Theologie als Wissenschaft
Hauspostfach 47
Norbert-Wollheim-Platz 1
60329 Frankfurt am Main

Akademischer Werdegang

Seit 2018  Doktorand des DFG-Graduiertenkollegs 1728 »Theologie als Wissenschaft«
2016 Gewinner des VIII. Essay-Wettbewerbs der Schopenhauer-Gesellschaft zum Thema »Schopenhauer und die Religion«
WS 2015/16  Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien in den Fächern Philosophie und Biologie an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main

 

Beruflicher Werdegang 

2016–2018  Volontär im Lektorat des Psychosozial-Verlags, Gießen
2016 Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Pädagogik der Sekundarstufe des Fachbereichs Erziehungswissenschaften
20142015 Studentische Hilfskraft in der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) sowie in der Bibliothek für Mathematik
20112012 Studentische Hilfskraft am Institut für Philosophie bei Prof. Dr. Marcus Willaschek

 

Promotionsprojekt:

Der »Selbstmord des Verstandes« in der Philosophie. Schopenhauers Kant-Rezeption und ihr Einfluss auf Wittgenstein

Mit Nachdruck betonte Arthur Schopenhauer »Kantianer« zu sein und löste mit dieser Selbsteinschätzung bis auf den heutigen Tag viel Unverständnis und Ablehnung, zumindest jedoch Irritationen und Erklärungsnöte aus, steht sie doch in Zusammenhang mit Urteilen, die sich keineswegs mit dem Buchstaben der Texte Kants in Einklang bringen lassen. Um diesen Diskrepanzen möglichst transparent zu begegnen, grenzt sich die Forschung der letzten Jahrzehnte entsprechend deutlich von seinem Selbstverständnis ab. Dennoch bleibt es entscheidend, wie dementgegen festgehalten werden muss, zunächst ein vollständiges Bild der Gründe nachzuzeichnen, die Schopenhauer dazu bewogen haben, sich überhaupt als Kantianer zu bezeichnen – und dies nicht im Rahmen apologetischer Zwecke, sondern aus Gründen der adäquaten Behandlung seines Werks. Auch für die Rechtfertigung eines kritischen Standpunkts bleibt es immerhin maßgeblich, zunächst die in Frage stehende Position umfassend zur Darstellung bringen zu können. Wie ich zeigen möchte, gibt es gravierende Lücken im bisherigen Bild, das die Forschung von Schopenhauers Kant-Rezeption zeichnete, die vor allem seine Aneignung der »Transzendentalen Dialektik« betreffen und erhebliche Auswirkungen auf das Verständnis seines Gesamtwerks haben.

Die Bedeutung dieses zunächst auf eine reine Schopenhauer-Exegese beschränkt anmutenden Problems erwächst aus seinem Zusammenhang mit Fragen, die sich um das Problem der argumentativen Reichweite von Philosophie, Wissenschaft und Religion gruppieren. Kants Kritik der reinen Vernunft stellt eine tiefgreifende Grenzziehung im Bereich dessen vor, was bis dahin als vernünftiger Überlegung zugängliche Metaphysik anerkannt war. Schopenhauer, so meine These, entwirft in seiner Aneignung der »Transzendentalen Dialektik« Kants (ebenfalls) eine neue Spielart von Metaphysik-Kritik, die zwar erheblich vom Buchstaben Kants abweicht, die jedoch (vor allem) in der Philosophiekonzeption des frühen Wittgensteins in radikalisierter Gestalt Epoche machte: An die Stelle der aufklärerischen Thesen von der »Unentscheidbarkeit« oder der »Irrelevanz« metaphysischer Fragen führt er erstmals die These vom »Unsinn« bzw. der »Sinnlosigkeit« dieser Fragen und der Versuche ihrer Beantwortung ins Zentrum der kritischen Auseinandersetzung – und dies bei gleichzeitiger Betonung, dass dasjenige, um das sich diese Fragen bemühen, dennoch das allein Hochzuschätzende ist. Schopenhauer und (noch entschiedener) Wittgenstein sind der Auffassung, a) dass sich Transzendentes nur dadurch wissenschaftlich festlegen lässt, dass man darüber schweigt und alle anderen Versuche, positive Aussagen darüber zu treffen, als »sinnlos« bloßstellt, d.h. indem man lediglich dessen logischen (Nicht-)Ort anzeigt; b) dass diese einerseits kritische, andererseits schweigende Grenzziehung die entscheidende Aufgabe der Philosophie darstellt; sowie c) dass die Grenzziehung jedoch letztlich als ein bloßes Mittel zur Verteidigung desjenigen, worüber man schweigen soll, anzusehen ist, da nur diesem ein eigentlich positiver Wert zugesprochen werden kann. In Hinsicht auf Schopenhauer von entscheidender Bedeutung ist dabei dasjenige Konzept, das er in seinem frühen Nachlass unter der Formel des »Selbstmord des Verstandes« zu fassen versuchte und das bis zuletzt – wie ich anhand einer detaillierten Rekonstruktion der Genese und des Argumentationsgangs seines Hauptwerks zeigen möchte – seine Ausführungen strukturierte. Anders als bislang angenommen, gebraucht er diese Formel keineswegs in abgrenzender, sondern in affirmativer Weise.

Eng damit verbunden sind Fragen adäquater Darstellungs- und Mitteilungswege für jeglichen Versuch, Argumente, die den Bereich des Transzendenten betreffen, zu formulieren. Schopenhauer und Wittgenstein weisen trotz den genannten Übereinstimmungen im Grundsätzlichen auch erhebliche Unterschiede in ihren Auffassungen darüber auf, was nun in den sprachlich zugänglichen Bereich ihrer Grenzziehungen fällt und was nicht. Schopenhauer zeigt sich einer bildhaften, »mythischen« Weise der sprachlichen Annäherung an das Transzendente viel enger verbunden als nach ihm Wittgenstein. Dies hat Konsequenzen sowohl für ihr Urteil über den jeweiligen Zusammenhang ihrer Position mit religiösen Darstellungen als auch für die Gestalt ihrer eigenen Texte. Beidem soll in der Arbeit, neben der Rekonstruktion des systematischen Zusammenhangs ihrer Werke, ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.