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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus, Hauptgebäude
Souterrain, Raum 0.153 
C. Nols: 069 798 33343

C. Sonntag: 069 798 33366

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Dogmatik und Fundamentaltheologie

Prof. Dr. Knut Wenzel

 

Die ästhetische Dimension religiöser Sinnstiftung, welche sich auch nach einem wissenschaftlichen Verständnis von Theologie nicht nur auf rationale Argumentation beschränken kann, steht auch im Feld der systematischen Theologie für die zweite Phase des GRK im Mittelpunkt. Denn aufgrund der normativen Rückgebundenheit ihrer epistemischen Struktur an eine religiöse Überzeugungstradition steht die systematische Theologie in besonderem Maß unter dem Anspruch, ihre Wissenschaftlichkeit auszuweisen. Die Rede ist von der notwendigen Szientifizierung der Theologie. Zugleich führt sie aber schon immer ein Wissen um eine prinzipielle Un-Begrifflichkeit ihres Formalobjekts mit sich. Augustinus’ Formulierung der docta ignorantia ist bekannt; mit ihr will er festhalten, dass „jener höchste Gott … besser im Nichtwissen gewusst wird“. Dies ist Gemeingut antiker christlicher Theologie. Doch hat bereits vor Augustinus Ephraem der Syrer seine Variation dieses epistemologischen Motivs – „Dieses weiß der Wissende, dass er nichts von ihm [i. e.: Gott] weiß“ – mit einer Kritik spekulativer Begriffssprache, vor allem des Basilius, verbunden. Und wenn Duns Scotus sagt, dass die der Vernunft möglichen Begriffe zu abstrakt seien (um das Geheimnis Gottes zu erfassen) und der Konkretion durch die Offenbarung bedürften, so ist diese offenbarungstheologische Verschränkung des abstrakten Begriffs mit der Konkretion ästhetiktheoretisch rekonstruierbar im Verhältnis von propositionaler Episteme und ästhetischer Vergegenwärtigung oder „Manifestation“ (P. Ricœur) einer ans Singuläre gebundenen Bedeutung.

Ein Promotionsprojekt zu einer „Poetologie des Theologischen“, das im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes bearbeitet werden soll, wäre also eine Grenzuntersuchung: Darzustellen ist, dass das „nichtwissende Wissen“ (in) der Theologie keine Einschränkung ihrer Wissenschaftlichkeit darstellt, sondern Ausdruck einer ihr spezifischen Wissenschaftlichkeit ist. Die sprachliche Darstellung der Diastase zwischen der Reichweite des Begriffs und dem unausschöpflichen Radius „der“ Wirklichkeit ist aber die Metapher. Metaphorisierung steht hier exemplarisch für die Erweiterung des theologischen Diskurses um poetische Ausdrucksformen (sprachlicher und transsprachlicher Art). Mit der Formulierung einer „Poetologie des Theologischen“ wird signalisiert, dass es nicht um eine quantitative Ergänzung eines „eigentlichen“ theologischen Diskurses um „uneigentliche“, nämlich metaphorische und deswegen „weichere“, womöglich bloß dekorative Sprachformen geht, sondern um die prinzipielle Not der Theologie, dass jede ihrer Aussagen (soweit sie sich auf ihr Formalobjekt richtet) unter einer Bedeutungs-Überfülle oder -Leere  leidet. Beides, sowohl die Über-Fülle als auch die Ent-Leerung, hat die Theologie wiederum sprachlich einzuholen, und sie kann dies nur, indem sie Strategien des Literarischen entwickelt. Denn so genannte uneigentliche Sprachformen werden dann entwickelt, wenn eine Artikulation der direkten Referenz nicht möglich ist.

Hier werden auch Anknüpfungspunkte beispielsweise an das Projekt von Bedin Fontana aus der ersten Phase des GRK deutlich, in welchem Bezug auf die Ricoeursche Hermeneutik genommen und der Anspruch formuliert wurde, eine säkulare allgemeinverständliche Sprache zum Dialog der Religionen untereinander sowie religiöser mit nichtreligiösen Deutungsmustern vorzulegen (s. Ergebnisbericht).