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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus, Hauptgebäude
Souterrain, Raum 0.153 
C. Nols: 069 798 33343

C. Sonntag: 069 798 33366

Facebook-Seite des GRK






Kirchen- und Theologiegeschichte (kath.)

Prof. Dr. Claus Arnold

 

Im Bereich der katholischen Kirchengeschichte soll der Fokus für die zweite Laufzeit des GRK vor allem auf das 19. und 20. Jahrhundert gerichtet werden. Denn für diesen Zeitraum sind die Fragen nach der Institutionalisierung akademischer Theologie, der Standardisierung theologischer Ausbildung und der damit einhergehenden Herausbildung bestimmter Netzwerke und Konstellationen, inklusive neuer Corpora als Bezugspunkte („Denzinger“), – trotz wichtiger Einzel- und Vorstudien – bisher nur unzureichend beantwortet worden. Am ehesten ergibt sich in transnationaler Perspektive noch ein Bild  für  die Neuscholastik, deren prägende Wirkung sich in Deutschland aber erst nach und nach entfaltete. Es fehlt im katholischen Bereich insbesondere eine grundlegende Studie, wie sie Johannes Wischmeyer mit seiner Arbeit über „Rahmenbedingungen, Akteure und Wissenschaftsorganisation protestantischer Universitätstheologie in Tübingen, Jena, Erlangen und Berlin“ vorgelegt hat. Hier tut sich deshalb ein überaus reizvolles Feld für neue Forschungen auf: Für das 19. Jahrhundert wäre einerseits – analog zur Arbeit von Wischmeyer – die Rekonstruktion des „Normalbetriebes“ vor 1870 an wichtigen katholisch-theologischen Fakultäten wie Bonn und Tübingen interessant. Ein zweites Feld wäre die Umbruchphase um 1900, die v. a. in historischer Hinsicht einen neuen Verwissenschaftlichungsschub brachte (Seminar-Betrieb), aber auch die institutionelle Umsetzung der Neuscholastik zementierte. Nach den grundlegenden material-theologischen Studien von Gregor Klapczynski wäre es hier an der Zeit, auch die dazugehörigen institutionellen Prozesse an wichtigen Fakultäten wie München, Würzburg oder Tübingen zu rekonstruieren.

Neben dem langen 19. Jahrhundert bieten vor allem die 1960er- und 1970er-Jahre ein zweites Feld für innovative theologiehistorische Arbeit, die material-theologische und strukturelle Faktoren verbindet. In dieser Zeit erreichte die deutsche katholische Universitätstheologie ein einmaliges Maß an internationaler Wirksamkeit, das sich einerseits mit den „großen Namen“ in Tübingen und Münster (Rahner, Küng, Metz, Ratzinger) verbindet, sich aber andererseits auch auf eine intensive europäische und außer- europäische Vernetzung gründete. Vor allem durch die internationale Promovierendenschaft an diesen Standorten gingen hier Impulse hin und her, die oftmals auch im Kontext eines internationalen Linkskatholizismus zu verorten sind. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die horizontal-„weltkirchliche“ Vernetzung der deutschen Kirche in den 1950er- und 1960er- Jahren, für welche die finanziell potenten Hilfswerke Missio, Misereor und Adveniat mit entscheidend waren. Die Netzwerke, die damals in Tübingen und Münster gebildet wurden (aber auch die dort ausgeprägten Antipathien), prägten über Jahrzehnte das institutionelle Erscheinungsbild katholischer Theologie in Deutschland und weit darüber hinaus. Allein die Rekonstruktion des internationalen Promotionsbetriebs in Tübingen und Münster im Rahmen eines Dissertationsvorhabens wird hier wichtige neue Einsichten in die strukturelle Verortung der Reformtheologie im Kontext des II. Vaticanums bringen.