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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus, Hauptgebäude
Souterrain, Raum 0.153 
C. Nols: 069 798 33343

C. Sonntag: 069 798 33366

Facebook-Seite des GRK






Sebastian Seemann
(Kollegiat)

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg
Landfriedstraße 12
69117 Heidelberg

Akademischer Werdegang

09/1991 – 06/1996 Elektroniktechnikum Bytom/Polen
Abschluss: Abitur (1,5)
10/1996 – 06/2003 Studium an der Christlich-Theologischen Akademie in Warschau/Polen
10/2003 – 09/2005 Studium der Religionsgeschichte an der Fakultät der evangelischen Theologie der Philipps-Universität Marburg
10/2005 – 08/2016 Studium an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg im Hauptfach und der evangelischen Theologie an der Ruprecht-Karl-Universität Heidelberg im Nebenfach.
Abschlussarbeit im Fach Bibel und Jüdische Bibelauslegung:
„Das Buch Ochla we-Ochla und die Masora Magna in der Bibelhandschrift MS Berlin SBB-PK Ms. or. Fol 1213: Eine exemplarische Studie zum Buch Exodus.“

Beruflicher Werdegang 

09/2002 – 06/2003 Religionslehrer im Praktikum in der Grundschule Kluczbork/Polen
12/2009 – 02/2010 Studentische Hilfskraft im Projekt: „Der Kommentar zum Zwölfprophetenbuch (Perush Tere Asar) von Josef ben Schim’on Kara (ca. 1050-1125): Kritische Edition und kommentierte Übersetzung“ an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg
02/2011 – 12/2012 Studentische Hilfskraft im Projekt: „Theorie und Praxis der rituellen Reinheit im mittelalterlichen aschkenasischen Judentum / Ritual
Purity in Medieval Ashkenaz“ (Teilprojekt B11 im SFB 619 „Ritualynamik“ an der Universität Heidelberg)
01/2013 – 08/2016 Studentische Hilfskraft im Projekt: „Gelehrtenwissen oder ornamentaler Zierrat? Die Masora der Hebräischen Bibel in ihren unterschiedlichen materialen Gestaltungen“ (Teilprojekt B4 im SFB 933: „Materiale Textkulturen. Materialität und Präsenz des Geschriebenen in non-typografischen Gesellschaften“ an der Universität Heidelberg)
Seit 05/2015 Mitglied bei Abraham Berliner Center zur Erforschung der Text- und Auslegungstraditionen der Hebräischen Bibel (ABC)

 

Promotionsprojekt:

„Neu-Edition der Okhla-Rezension Paris und ihr Verhätlnis zu den inner- und außerbiblischen masoretischen Listen“

Dieses Promotionsprojekt soll einen Beitrag zur Erforschung der Text- und Auslegungstraditionen der Hebräischen Bibel unter besonderem Einschluss der Masora leisten. Es ist von der höchsten Notwendigkeit, dass ein für die Erforschung der Masora grundlegender Text in einer Neu-Edition der Handschrift textkritisch bearbeitet wird. Es handelt sich um das sogenannte Buch Sefer Okhla we-Okhla, das zuerst 1864, allerdings nur teilkritisch ediert wurde, bis heute jedoch in der Forschung gebraucht wird.

Sefer Okhla we-Okhla (hebr. ספר אָכְלָה וְאָכְלָה) ist ein mittelalterliches masoretisches Werk in Form einer Sammlung von Listen, die verschiedene Themen und Phänomene des Textes der Hebräischen Bibel im Focus haben. Der Name Okhla we-Okhla bildet das erste Wortpaar der ersten Liste dieses Sammelbuches. Die Sammlung ist zwar sehr eng textbezogen, gehört jedoch zu den unabhängigen masoretischen Werken. Die Geschichte von Sefer Okhla we-Okhla ist eng mit der dessen Erforschung verbunden, die mit der ersten Edition der Handschrift von Paris im Jahre 1864 von Solomon Frensdorff begann. Dies stellte zugleich den Beginn der modernen Erforschung der Masora dar. In der Dissertation soll im ersten Schritt die Forschungsgeschichte von Sefer Okhla we-Okhla grundlegend und umfangreich dargestellt werden.

Die Notwendigkeit einer Neu-Edition der Okhla-Rezension Paris lässt sich vor allem darin begründen, dass Frensdorff für den Vergleich des masoretischen Materials in der Okhla-Rezension Paris die gedruckte Masora der zweiten Rabbinerbibel (1524/25) von ben Chajim verwendete. Diese Ausgabe der Bibel gilt heutzutage nicht mehr als eine kritische Edition der Hebräischen Bibel. Methodisch müsste man das Material der aus dem aschkenasischen Raum stammenden Handschrift Paris zuerst mit den aschkenasischen Bibelhandschriften, die ein masoretisches Material enthalten, vergleichen. Die zweite Rabbinerbibel basiert dagegen auf den sephardischen Handschriften. Darüber hinaus wurde die Edition von Frensdorff nie kritisch bearbeitet. Die kritischen Anmerkungen der Rezensenten wurden bis heute nicht analysiert. Die einzige Neuerung ist der von einem italienischen Forscher Bruno Ognibeni im Jahr 1992 erstellte und separat herausgegebene Index.

Die Notwendigkeit einer Neu-Edition hat bereits der Theologe und Orientalist Paul Kahle erkannt und geplant. Und doch wird die Edition von Frensdorff bis heute in der Forschung für die Analysen herangezogen. Sie wurde bereits bei der Herausgabe der Masora der BHS verwendet und wird von den Herausgebern der Hebräischen Bibel im Rahmen des BHQ-Projekts immer noch herangezogen. Sie wurde ebenfalls in den beiden Editionen der Okhla-Rezension Halle für die Vergleichsanalysen herangezogen, ohne dabei das originale Material der Handschrift Paris zu berücksichtigen. Daher wäre es bei der Neu-Edition der Okhla-Rezension Paris zu prüfen, wieweit die Angaben in dem von Diaz Esteban erstellten kritischen Apparat von relevant sind. Eine Neu-Edition könnte dies alles neu aufnehmen und in einer integralen Ausgabe zusammenfassen.

Vor allem muss man hervorheben, dass die von Frensdorff angefertigte Edition den heutigen Standards der editorischen Aufarbeitung der Handschriften nicht mehr entspricht. Der Edition fehlt ein kritischer Apparat, der Lesevarianten, Fehler oder Verbesserungen aufnehmen könnte. Frensdorff merkt nur gelegentlich an, dass er bei der Aufnahme Verbesserungen am Text vorgenommen hat. Das heißt, dass der von ihm edierte Text nicht dem der Handschrift entspricht. Er hat ferner den aufgenommenen Text vokalisiert, um das Lesen zu erleichtern. Eine Revision dieses Vornehmens scheint unentbehrlich zu sein. Ferner wurde die Handschrift bislang kodikologisch und paläographisch nicht hinreichend beschrieben, was das Dissertationsprojekt beansprucht. Die alten Beschreibungen von Munk, Neubauer und Frensdorff stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert. Eine Beschreibung fehlt sogar einer Faksimile-Edition dieser Handschrift aus dem Jahr 1978, die David Samuel Löwinger angefertigt hat, wobei die Qualität der Bilder dieser Edition sehr schwach ist.

Schließlich sei noch erwähnt, dass die erste Edition der Okhla-Rezension Paris von Frensdorff nicht im Rahmen eines Universitätsprojekts durchgeführt wurde. Dies könnte das vorliegende Dissertationsprojekt einholen.