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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordination:

Corinna Sonntag


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 1, IG

Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main
Raum: NG 1.713 und IG 1.511

 

C. Sonntag: 069 798 33366

Sprechzeiten:

Di 11-13 Uhr

Do 11-13 Uhr

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"Die Geschichte des Islams in Bosnien und Herzegowina"

Prof. Omerika

Ein 2006 erschienener Beitrag des Rechtshistorikers Fikret Karčić („Islamische Tradition der Bosniaken – was ist das?“) diente als Ausgangs- und zugleich Endpunkt des Vortrags, der einen einführenden Überblick über die wichtigsten Entwicklungslinien des Islams in Bosnien und Herzegowina bot. Die von Karčić vorgeschlagene Definition der islamischen Tradition der Bosniaken wurde in eine Sammlung normativer Akte der Islamischen Gemeinschaft aufgenommen und könne daher, so Omerika, als eine offizielle Selbstdefinition verstanden werden. Die Benennung charakteristischer und identitätsstiftender Merkmale (u.a. Zugehörigkeit zur osmanisch-islamischen Einflusssphäre, Befolgung der theologischen Schule der Māturīdīya und der Rechtsschule der Ḥanafīya, Tradition des islamischen Reformismus (iṣlāḥ), Institutionalisierung in Form der Islamischen Gemeinschaft, Praktizierung in einem säkularen Staat), zeuge von einem ausgeprägten Bewusstsein über die eigene Historizität und deren dynamischen Charakter. Wie sehr politische, sozio-ökonomische und auch ideengeschichtliche Entwicklungen Erscheinungs- und Denkformen des bosniakischen Islams prägten, verdeutlichte Frau Omerika im Folgenden an herausragenden historischen Wendepunkten und den damit einhergehenden Veränderungsprozessen. Nach einer knappen Einführung über die Anfänge der Islamisierung der einheimischen Bevölkerung seit den osmanischen Eroberungen (15. bis Mitte 17. Jh.) ging es zunächst um die Zeit der Okkupation (1878) und späteren Annexion (1908) Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn. Den ausführlichsten Blick warf Frau Omerika schließlich auf die islamischen Debatten im ersten jugoslawischen Staat (1918-1941). Im Zentrum der innerislamischen Diskussionen standen Reformfragen, die den Umgang mit der europäischen Moderne betrafen und nicht zuletzt zur Ausdifferenzierung von Bildungseliten führten. Den Abschluss des Vortrags bildete ein Ausblick auf die spezielle Situation der bosnischen Muslime im sozialistischen Jugoslawien (1945-1991).

 

Nadine Breitbarth