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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordination:

Corinna Sonntag


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 1, IG

Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main
Raum: NG 1.713 und IG 1.511

 

C. Sonntag: 069 798 33366

Sprechzeiten:

Di 11-13 Uhr

Do 11-13 Uhr

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"Die Frage der Religionsfreiheit an den Kopftuch-Debatten in BuH und Deutschland"

Prof. Dr. Dzevada Susko

Der Vortrag fand auf Einladung von Prof. Susko im von ihr geleiteten Institut für islamische Tradition der Bosniaken statt. Dieses widmet sich vier Forschungsgebieten, namentlich der Glaubenspraxis der Bosniaken, der demokratischen Prozesse in Bosnien, der Genozide und dem Interreligiösen Dialog. Es wird überwiegend durch die muslimischen Stiftungen finanziert. Publikationen erscheinen grundsätzlich in bosnischer und englischer Sprache.

Prof. Dr. Susko erläutert, dass die politischen bzw. institutionellen Strukturen Bosniens von drei konstituierten Völkern getragen werden, nämlich den muslimischen Bosniern, den katholischen Kroaten und den orthodoxen Serben. 

Es herrsche eine starke Trennung zwischen Staat und Religion, allerdings sollten die religiösen Bedürfnisse der jeweiligen Glaubensgemeinschaften erfüllt werden. Zu diesem Zweck solle der Staat nach Ansicht Suskos mit den jeweiligen Glaubensgemeinschaften verhandeln und Verträge abschließen. 2006 und 2007 wurden Verträge mit den Kroaten und mit den Serben abgeschlossen. Die Verhandlungen mit den Muslimen bestehen seit 2008, sind jedoch bisher ohne Erfolg. Verhandlungspunkte sind unter anderem geltend gemachte Ansprüche auf Freistellung von der Arbeitszeit während des Freitagsgebets, auf einen einmaligen Urlaub zur Verrichtung der Pilgerfahrt, auf eine Pause zwecks Fastenbrechens während des Ramadans sowie der Anspruch auf Halal-Nahrung. Susko führt ferner aus, dass im Jahr 2016 das Hohe Gericht (VSTV) BuHs die Anweisung an alle Gerichte und Staatsanwaltschaften gab, das Tragen sämtlicher religiöser Symbole mit der Begründung zu untersagen, dass derartige Symbole gegen die Neutralität des Staates verstoßen. Die muslimische Glaubensgemeinschaft steht der gerichtlichen Anweisungen skeptisch gegenüber, weil sie befürchten, dass sich diese Anweisung de facto lediglich gegen muslimische Kopftuchträgerinnen richtete und somit eine einseitig diskriminierende Wirkung entfalte.

Den zweiten Teil der Veranstaltung referierte Asmaa El Idrissi, Juristin und Koordinatorin des GRK. El Idrissi führte chronologisch in die Hintergründe der Kopftuch-Debatte in Deutschland ein, indem auf folgende Rechtsurteile bzw. Gesetze sowie über die Konsequenzen ihrer Umsetzung eingegangen wurde:

- Schulgebetsurteil des Bundesverfassungsgerichts in den 70er Jahren,

- Kruzifix-Urteil Anfang der 90er Jahren,

- Erste Kopftuch-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2003

- Kopftuch-Gesetze (Bayern und Hessen)

- Die Verwaltungsvorschrift des Hessischen Kultusministeriums bezüglich der Einstellung von kopftuchtragenden Frauen.

- Zweite Kopftuch-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 2015.

Anschließend wurde Raum für die Diskussion eröffnet. 

 

Wael Abbas