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Prof. J. H. (Yossi) und Dr. Julie Chajes

Prof. J. H. (Yossi) Chajes (Ph.D., Yale University 1999) ist Associate Professor am Department of Jewish History an der University of Haifa und Direktor des dortigen Center for the Study of Jewish Cultures. In der Vergangenheit war er Gastprofessor am Jewish Theological Seminary in New York, zweimal Fellow am Herbert D. Katz Center for Advanced Judaic Studies an der University of Pennsylvania und in jüngster Zeit Fellow am Israel Institute for Advanced Studies in Jerusalem. Er ist u.a. Autor des Buches "Between Worlds: Dybbuks, Exorcists, and Early Modern Judaism" (2003).

In seinem Vortrag „Spheres to the Sefirot: Kabbalah and the Visualization of the Invisible“ befasste sich Prof. Chajes mit der Beziehung, der am meisten verwendeten Diagramme in der kosmologischen kabbalistischen Tradition zu den grundlegendsten Diagrammen in der mittelalterlichen Wissenschaft, dem Baumdiagramm (vielfach bekannt als „Arbor Porphyriana“) und dem mit dem ptolemäischen geozentrischen Weltbild verbundenen konzentrischem Kreis-Diagramm. Der Bezug dieser Analyse zum Thema „Theologie als Wissenschaft“ lag darin, Chajesdass die Kabbalisten sich ihrem religiösen Selbstverständnis nach ausdrücklich einem wissenschaftlichen Unterfangen verschrieben hatten und sich sowohl rhetorisch-diskursiver Figuren als auch visuellen Materials der besten Wissenschaft ihrer Zeit bedienten. Dieses Verständnis von Kabbalah als Wissenschaft und Kabbalisten als Wissenschaftlern teilten auch zentrale Gestalten der Wissenschaftsgeschichte bis hin zu Johannes Kepler und Isaac Newton.

Dr. Julie Chajes ist eine Religionswissenschaftlerin, die die historischen Wurzeln der gegenwärtigen New Age-Bewegung, alternative Formen der Religiosität und die Konstruktion der modernen Religion erforscht. Ihre Promotion erfolgte an der University of Exeter auf der Grundlage einer Arbeit zur Vorstellung der Reinkarnation in der Theosophie. Seither hatte sie Postdoctoral Fellowships an der University of Haifa (mit einem Projekt zu den christlichen Zionisten Alice and Laurence Oliphant im 19. Jh.) und an der Ben Gurion University of the Negev in Beer Sheva (Theosophie und Kabbala) inne. Gegenwärtig arbeitet sie an einem Projekt zum „Cosmic Movement“, einer okkulten Bewegung des 19. Jahrhunderts, und bereitet eine Monografie zur Rezeption der Kabbala bei Madame Blavatksy vor.

Dr. Chajes konzentrierte sich in ihrem Vortrag zum Thema „Reincarnation: A Scientific Doctrine? Perspectives from Nineteenth-Century Cultural History“ auf die Ideen einer der einflussreichsten Frauen des 19. Jahrhunderts, Helena Blavatsky, der Gründerin der Theosophischen Gesellschaft und der „Urgroßmutter“ der New Age-Bewegung. Der Vortrag ging von einer Darlegung von Blavatskys Definition von Wissenschaft und der Reinkarnation als einer „wissenschaftlichen Lehre“ aus, um dann ihre Anschauungen, einschließlich spezifischer Elemente ihrer Theorie der Reinkarnation zu kontextualisieren. Der Vortrag argumentierte, dass sich Blavatsky’s Reinkarnationismus wissenschaftlichen Theorien des 19. Jahrhunderts verdankt, etwa dem geologischen Katastrophismus, aber auch einigen der Theorien, die in den 1880er Jahren als Alternative zu Darwins Evolutionstheologie dargeboten wurden, etwa die Idee der Teilhabe höherer Intelligenzen am Evolutionsprozess, der teleologischen Evolution und der Vererbung angeeigneter Merkmale (Lamarckismus).

 

Prof. Yossi Chajes und Dr. Julie Chajes waren vom 24. Juni bis Ende Juli als Fellows am Graduiertenkolleg "Theologie als Wissenschaft" an der Goethe Universität zu Gast. Am 11. Juli 2016 boten sie eine Masterclass an zum Thema „Kosmologie – Theosophie – Naturwissenschaft: Perspektiven der frühneuzeitlichen Kabbala und der modernen Theosophie“ an.