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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus, Hauptgebäude
Souterrain, Raum 0.153 
C. Nols: 069 798 33343

C. Sonntag: 069 798 33366

Facebook-Seite des GRK






Nadine Breitbath
(Stipendiatin)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
FB 01 Katholische Theologie und Evangelische Theologie
Katholisch-Theologische Fakultät
Seminar für Kirchengeschichte, Abteilung Altertum und Patrologie
Saarstraße 21, 55099 Mainz

Akademischer Werdegang

2004 - 2011 Studium der Katholischen Theologie, der deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft und der Erziehungswissenschaft für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen, Universität des Saarlandes
11/2011 11/2011: Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen; Thema der wissenschaftlichen Arbeit: „Sündenfall und Unterordnung. Frühe christliche Deutungen von Gen 3“

Beruflicher Werdegang

2006 -2010 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Biblische Theologie und am Lehrstuhl für Kirchen- und Theologiegeschichte, Universität des Saarlandes
12/2011 - 05/2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Kirchengeschichte, Abteilung Alte Kirchengeschichte und Patrologie; DFG-Projekt „Theologie und Sklaverei von der Antike bis zur Frühen Neuzeit“, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
01/2015 - 09/2015 Studienmanagerin im Studienbüro und Prüfungsamt der Katholisch-Theologischen Fakultät (12,5%), Johannes Gutenberg-Universität Mainz
06/2015 - 09/2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Religionspädagogik, Katechetik und Fachdidaktik Religion, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Seit 10/2015 Stipendiatin des DFG-Graduiertenkollegs 1728 „Theologie als Wissenschaft“ (JGU Mainz)

 

Promotionsprojekt: „Das Buch Genesis in den frühchristlichen Reflexionen zur Entstehung der Sklaverei“

Zu der grundsätzlichen Unterscheidung aller Menschen in „Freie“ und „Unfreie“, die als fester und insgesamt selbstverständlicher Bestandteil die griechische wie römische Gesellschaftsordnung der Antike prägte, nehmen frühchristliche Theologen unterschiedliche Haltungen ein, die in der Summe eine allgemeine christliche Akzeptanz der Sklaverei belegen. Wie aber konnte die Existenz von hierarchischen Verhältnissen, die konkrete und nur bedingt überwindbare Unterschiede zwischen Menschen schufen, mit einer sich entwickelnden christlichen Anthropologie legitimiert werden? Denn immerhin gehört doch gerade die Vorstellung von einer Gleichheit aller Menschen, begründet in der alttestamentlich formulierten, neutestamentlich rezipierten und in der Taufe erneuerten Gottesbildlichkeit, zum Kernbestand christlicher Theologie. Gerade die Anfänge christlicher Erklärungsansätze zur Entstehung der Sklaverei (griechische und lateinische Autoren des 2. bis frühen 4. Jahrhunderts), deren eingehende Untersuchung bislang ein Desiderat darstellt, sind hierbei ein Zeugnis für die Vielgestaltigkeit sich entwickelnder theoretischer Reflexionsprozesse.

Innerhalb der christlichen Erklärungsmodelle nehmen die alttestamentlich überlieferten Anfänge der Menschheitsgeschichte im Buch Genesis eine zentrale Rolle ein. So wird z.B. der vormalige paradiesische Idealzustand der ersten Menschen (Gen 2,4-25) mit der bereits erwähnten Vorstellung einer ursprünglichen Gleichheit in Verbindung gebracht, die ihrerseits wiederum auf die gottbildliche Erschaffung der Menschen (Gen 1,26-27) bezogen wird. Das Bestehen von Über- und Unterordnungsverhältnissen wird weiterhin unter Bezug auf den sogenannten Sündenfallbericht (Gen 3,1-24) mit dem Verlust dieses ursprünglichen Idealzustands verknüpft und als Strafe Gottes für das sündhafte Verhalten der Menschen interpretiert. Daneben finden sich aber auch Argumentationen, in denen die Entstehung der Sklaverei mit der Verfluchung Kanaans (Gen 9,18-29) oder der Zurücksetzung des Esau (Gen 25,19-26; 27,1-40) begründet wird. 

Für eine Analyse der Anfänge der christlichen Erklärungsmodelle ist neben diesen biblischen Bezügen auch die Frage nach der Rezeption von jüdischen, philosophischen und rechtlichen Konzepten bedeutend. Denn gerade in der Anfangszeit, in der sich christliche Theologie zu entwickeln beginnt, ist die ideengeschichtliche Umwelt des Christentums sowohl Ausgangs- als auch Abgrenzungspunkt für die Herausbildung eigener Positionen. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Kontext auch das reziproke Verhältnis von der metaphorischen Rede über die („innere“) Versklavung der Menschen unter Sünde und Tod und der Bewertung realer Sklaverei. Während mit ersterer die soteriologisch folgenschwere Erlösungsbedürftigkeit der Menschen infolge des sogenannten Sündenfalls unter Zuhilfenahme von juristisch geprägten Termini der Versklavung und Gefangenschaft beschrieben wird, erfolgt damit zugleich eine Relativierung der im Vergleich weniger gewichtigeren, weil zeitlich begrenzten „äußeren“ Versklavung.

Die detaillierte Auswertung der zunächst eher verstreuten und häufig auch nur impliziten Anfänge christlicher Argumentationen, die in unterschiedlichen theologischen Kontexten und literarischen Gattungen aufscheinen, verspricht für die Frage nach Formierungsprozessen von Reflexivität großen Erkenntnisgewinn. Darüber hinaus liefert eine solche Analyse zugleich wichtige Bausteine zum Verständnis historischer Konstituierungsprozesse, hier am Beispiel christlicher Theorien zur Entstehung von Sklaverei. Denn in den Schriften der frühen christlichen Theologen werden Argumentationsweisen entwickelt, die für spätere Diskurse bis in die Neuzeit hinein von erheblicher Bedeutung sind.