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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordinatorinnen:

Corinna Sonntag

Dr. Carmen Nols


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1

60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IG-Farben-Haus, Hauptgebäude
Souterrain, Raum 0.153 
C. Nols: 069 798 33343

C. Sonntag: 069 798 33366

Facebook-Seite des GRK






Friederike Eichhorn-Remmel
(Kollegiatin)

Goethe-Universität Frankfurt
GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

Akademischer Werdegang 

2006  Abitur
2006 - 2013 Studium für Lehramt an Gymnasien an der Philipps-Universität in Marburg (Katholische Religion, Geschichte)
2008 - 2013 Studium der Katholischen Theologie (Diplom) in Jerusalem, Rom und Fulda
Seit 2013 Postgraduales Studium Katholische Theologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt
Seit 2015

Stipendiatin des GRK 1728 Theologie als Wissenschaft 

Beruflicher Werdegang 

2009 - 2010 Studentische Hilfskraft am Katholisch-Theologischen Seminar an der Philipps-Universität in Marburg
2011 Fremdenführerin in den Katakomben San Callisto in Rom
2011 - 2013 Aushilfslehrkraft an der Winfriedschule in Fulda
2013 - 2015

2013 - 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Projekt „Kommentierung des 2. Korintherbriefes“ Herrn Prof. Dr. Schmeller

Promotionsprojekt:

Zur theologischen Mehrperspektivität des Kreuzes am Beispiel des paulinischen Paradoxons ‚Kraft und Schwachheit‛ und seiner Wirkungsgeschichte

 

Mein Dissertationsprojekt mit dem Arbeitstitel „Zur theologischen Mehrperspektivität des Kreuzes am Beispiel des paulinischen Paradoxons ‚Kraft und Schwachheit‛ und seiner Wirkungsgeschichte“ untersucht die Wirkung der reformatorischen Auslegung der „Kraft-Schwachheit-Thematik“ des 2. Korintherbriefes auf die moderne Exegese. Zu überprüfen ist insbesondere die These, dass innerhalb der gegenwärtigen Exegese, durch den Einfluss lutherischer Theologie, vermehrt exklusivistisch kreuzestheologische Lesarten alternative Auslegungen verhindern:

Was der Apostel meint, wenn er die zwei vermeintlich kontradiktorischen Kategorien, Kraft und Schwachheit, in Beziehung setzt, wurde in der Auslegungsgeschichte meist kreuzestheologisch gedeutet: Paulus deute sein Leiden im Licht der Leiden des Gekreuzigten. Doch gerade die rhetorische Einordnung von du,namij evn avsqenei,a| telei/tai (2 Kor 12, 9) als Gnome zeigt an, dass hier eine fixierte Zuordnung zum Kreuzesgeschehen nicht gefolgert werden kann, denn Gnomen erheben zwar den Anspruch auf Allgemeingültigkeit, nicht aber auf Alleingültigkeit (vgl. auch Aristoteles, Rhetorik 2,21 oder Quint.VIII 5,3).

Aber auch wenn 2 Kor 12,9f christologisch gelesen wird, so darf hier keine exklusivistische Verengung im Sinne der lutherischen Kreuzestheologie hineingelesen werden, denn Christologie ist nicht nur Kreuzeschristologie: Paulus ist nicht, dies gilt auch für Christus, nur deshalb stark, weil er schwach war. Denn ebenso wie Christus nicht nur auf das Kreuz reduziert werden kann, sondern die in ihm wirkende göttliche Kraft in Worten und Taten sich bereits vor Golgatha enthüllte, gilt auch für den Apostel, dass nicht nur in seiner Schwachheit aufgrund seines Dienstes, sondern auch in seinem kraftvollem Auftreten als Gründer der korinthischen Gemeinde (vgl. z.B. 6,18; 12,14) und als kämpfender Verteidiger seines Apostolats (vgl. 2 Kor 10,3-11) göttliche Kraft offenbar wird. Wenn aus 2 Kor 12,9f also nicht geschlossen werden kann, dass sich göttliche Kraft nur in der Schwachheit offenbart, so heißt das nicht, dass diese Art des Gotteserweises grundsätzlich unmöglich ist. Ziel dieses Promotionsprojektes ist es deshalb nicht göttliches Kraftwirken in menschlicher Schwachheit zu verneinen, sondern darauf hinzuweisen, dass dieses Offenbarwerden lediglich eine neben anderen Möglichkeiten ist.

Zudem wird die Deutung von 2 Kor 12,9f insofern sie nur Luthers exklusivistische Lesart rezipiert, dem Reformator selbst nicht gerecht, der neben dieser Lesart auch andere Verhältnisbestimmungen von „Kraft“ und „Schwachheit“ kennt: Mir ist wahrlich ewer schwachheit von herzen leid, (…) Es sol euch Iha viel frohlicher machen, das Ir vom solchen (!) mann beruffen seid, dazw begnadet mit erkentnis lust und lieb In seinem wort, (…)sehet an Was Ir habt vor güter Von Im, und nit was Ir leidet, Ist doch die wage unmeßlich gegen einander (WA Br 7, 82, 2-12). Schwachheit ist hier weder notwendige Vorbedingung, noch einzige Möglichkeit göttlicher Offenbarung. Stattdessen zeigt Luther dem leidenden Adressaten Rühel tröstend auf, dass sich göttliche Kraft nicht in menschlicher Schwachheit, sondern in der Kraft des Menschen zeigt.

Als Ertrag der Arbeit könnte deshalb ein anderer Blick auf die paulinische Theologie, als auch auf die Rezeption lutherischer Theologie in der Auslegung des 2. Korintherbrief gewonnen werden, fernab von einseitig akzentuierter Leidensbonisierung.

Das Dissertationsprojekt analysiert die Wechselwirkungen zweier Erkenntnisorte des Glaubens (Schrift und Tradition), und leistet so einen Beitrag dazu, Normativität beanspruchende Deutungsmuster kritisch zu hinterfragen um Selbstverständlichkeiten abzulegen.