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KONTAKT

 

Sprecher des GRK:
Prof. Dr. Markus Wriedt

Prof. Dr. Thomas M. Schmidt


Koordination:

Dr. Eva Bucher

Corinna Sonntag


Anschrift:

Goethe-Universität Frankfurt

GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)

Hauspostfach 47

Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

 

Hier finden Sie uns:
Campus Westend
IKB-Gebäude
Eschersheimer Landstraße 121
60322 Frankfurt am Main
1. OG, Raum 1560 

 

E. Bucher: 069 798 33388

C. Sonntag: 069 798 33366

Sprechzeiten:

Di 12-14 Uhr

Mi 10-12 Uhr

Do 12-14 Uhr

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Lisa Marie Wichern
(Kollegiatin von April 2015 bis März 2018, Mitglied der DocAG Methode, Interpretation, Rechtfertigung – Religion in der Moderne)

Goethe-Universität Frankfurt
GRK Theologie als Wissenschaft
IG-Farben-Haus (FB 06)
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

Promotionsprojekt:

Im zweiten und dritten Jahrhundert lebten in den Provinzen des Römischen Reichs jüdische
und christliche Frauen, die sich je nach den Umständen der Gemeinden, in denen sie zu Hause
waren, voneinander unterschieden. Das Leben dieser Frauen zu untersuchen ist eine Herausforderung,
da Frauen dieser Zeit selten Texte schrieben und uns auch sonst wenig überliefert
ist. Aus literarischen Quellen jedoch, die von männlichen Zeitgenossen dieser Frauen
verfasst wurden, ist es von Interesse, die Erwartungshaltung von Männern an diese Frauen
zu erschließen. Außerdem kann man der Frage nachgehen, an welchen Normen Frauen dieser
Gemeinden sich orientiert haben könnten, ob diese Normen in den Gemeinden jüdischer und
christlicher Frauen unterschiedlich waren und, wenn ja, ob dies etwas mit der Religionszugehörigkeit
der Frauen zu tun hatte. Außerdem nicht zu vernachlässigen sind die Fragestellungen
um die lokalen Gegebenheiten verschiedener jüdischer und christlicher Gemeinden, da
die Quellenlage nur regionale Einblicke zulässt.
Diese Fragen sind eingebettet in die Debatte um „The Parting of the Ways“, die sich damit
beschäftigt, wann sich Juden und Christen während der ersten Jahrhunderte u. Z. bewusst
voneinander trennten und voneinander unterscheidbare Identitäten ausbildeten. Innerhalb dieser
Diskussionen spricht man von unklaren Grenzen und der Durchlässigkeit jüdischer und
christlicher Gemeinden sowie deren kulturellen Merkmalen und lokalen Unterschieden, auch 

innerhalb von Städten oder Regionen des Römischen Reichs. So zögert man, von fassbaren und
überregional homogenen christlichen oder jüdischen Gruppen in den ersten Jahrhunderten u.
Z. zu sprechen.
Besonders interessant für diese Diskussion ist die Zeit um das Jahr 200, in der die Mischna,
die in dieser Arbeit untersucht wird, von Mitgliedern der Rabbinischen Bewegung in der
römischen Provinz Palästina verschriftlicht wurde. Diese Schriften stellen nach dem Alten
Testament die ersten aufgeschriebenen, hebräischen Texte dar, die später zu den kanonischen
Texten des Judentums gezählt wurden. Dieses Ideengut wurde Jahrhunderte lang mündlich
tradiert, es stellt sich also die Frage, warum sich eine bestimmte Gruppe jüdischer Gelehrter
veranlasst fühlte, es im zweiten Jahrhundert u. Z. aufzuschreiben. Zentral für diese Arbeit ist
das Buch Seder Nashim, das von Anweisungen, Überlegungen und Auseinandersetzungen darüber
handelt, wie in bestimmten Situationen mit Frauen umgegangen werden sollte oder wie
sich Frauen verhalten sollten.
Für die Betrachtung christlicher Frauen spielen die Geschichten einiger Frauen in den apokryphen
Akten der Apostel eine größere Rolle: Thekla, Drusiana, Maximilla und Aristobula.
Wertvoll sind auch einige diskursive Texte von christlichen Autoren, namentlich die des Clemens
von Alexandrien und Tertullian, in denen Erwartungshaltungen gegenüber christlichen
Frauen formuliert werden sowie einige offizielle Kirchendokumente, in denen Frauen thematisiert
werden.
Ziel dieser Arbeit ist, diese Fragen und Untersuchungen zusammenzubringen und die Forschungen
zu Frauen in der Antike weiterzuführen. Mehr ins Detail gehend ist festzustellen,
an welchen Verhaltensnormen sich christliche und jüdische Frauen im späten zweiten und
frühen dritten Jahrhundert u. Z. orientieren sollten und welche Verhaltensweisen von ihnen
erwartet wurden. Der religiöse Hintergrund und entsprechende theologische Begründungen
waren hierbei zentral und konnten darin bestimmend sein, Erwartungen an Frauen zu formen.